Kampf um Wörter. Linguistische Perspektiven auf semantische Kämpfe und demokratische Kommunikation
Vortrag von Prof. Dr. Thomas Niehr im Rahmen der Vorlesungsreihe "Wie wir miteinander umgehen. Macht, Fairness und soziale Beziehungen"
Thomas Niehr ist Professur für Germanistische Sprachwissenschaft an der RWTH Aachen.
Abstract:
Dass Auseinandersetzungen um politische Konzepte und Maßnahmen zum Wesen der Demokratie gehören, ist für die meisten Bürger:innen eine Selbstverständlichkeit. Dies gilt auch für die Erkenntnis, dass derartige Auseinandersetzungen sprachlich geführt werden (sollten), Sprache also eine zentrale Rolle in der Politik spielt. In der Linguistik werden Auseinandersetzungen um die ,richtigen‘ Bezeichnungen als semantische Kämpfe bezeichnet. Die sprachlichen Mittel, die bei semantischen Kämpfen üblicherweise zum Einsatz kommen, stehen im Fokus der Ausführungen.
In den letzten Jahren sind vermehrt Stimmen laut geworden, die semantische Kämpfe sprachkritisch kommentieren. Es wird die Sorge geäußert, dass es nicht bei semantischen Kämpfen bleibt, sondern die Grenzen des Sagbaren im öffentlichen Diskurs immer wieder überschritten werden. Dass Phänomene wie Fake News oder Hate Speech der Demokratie und dem gesellschaftlichen Zusammenleben schaden, ist dabei unbestritten. In einem Ausblick soll daher der Frage nachgegangen werden, ob sich Spielregeln für eine demokratische Kommunikation formulieren lassen.