Another One Bites the Trust: Vertrauen braucht Fairness oder wie Organisationen Zusammenhalt schaffen
Vortrag von Prof. Dr. Thomas Rigotti im Rahmen der Vorlesungsreihe "Wie wir miteinander umgehen. Macht, Fairness und soziale Beziehungen"
Thomas Rigotti ist Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Organisationale Fairness beschreibt, wie Beschäftigte die Gerechtigkeit von Entscheidungen, Verfahren und zwischenmenschlichem Umgang in Organisationen wahrnehmen und warum diese Wahrnehmungen grundlegend für Vertrauen, Kooperation und Konfliktlösung sind. Die Vorlesung führt in drei klassische Dimensionen ein: distributive Fairness (wie gerecht Ergebnisse wie Lohn, Anerkennung oder Aufgaben verteilt werden), prozedurale Fairness (wie fair Entscheidungsprozesse sind, z. B. Transparenz, Mitsprache, Konsistenz und Korrekturmöglichkeiten) und interaktionale Fairness (wie respektvoll und würdevoll Menschen behandelt werden, inklusive Informationsgerechtigkeit). Zudem wird beleuchtet, wie Fairnessurteile entstehen. Anknüpfend an die Ringvorlesung wird Fairness als sensibles Beziehungs- und Machtphänomen diskutiert: Macht zeigt sich nicht nur in formalen Hierarchien, sondern auch darin, wer gehört wird, wer Zugang zu Informationen hat und wessen Interessen in Entscheidungen zählen. Bereits kleine Regelverletzungen, unausgesprochene Erwartungen oder Intransparenz können soziale Gleichgewichte kippen, Misstrauen verstärken und Beziehungen belasten. Empirische Befunde zeigen, dass Fairnesswahrnehmungen Motivation, Gesundheit, Bindung und „Extra-Rollenverhalten“ fördern, während erlebte Unfairness Stress, Rückzug, Konflikte und Kündigungsabsichten begünstigt. Abschließend werden Ansatzpunkte für eine faire Beziehungsgestaltung vorgestellt: klare, nachvollziehbare Regeln, Beteiligung und Stimme („voice“), respektvolle Kommunikation, funktionierende Beschwerdewege sowie Führung, die Verantwortung übernimmt und Vertrauen aktiv aufbaut.