Dr. Laura Jung: KI und die Ordnung der Migration: Macht, Möglichkeit und neue digitale Praktiken im Asylverfahren
Künstliche Intelligenz wird zunehmend im Asylverfahren eingesetzt. Ausgehend vom Forschungsprojekt AISYL gibt der Vortrag zunächst einen Überblick über den Einsatz solcher Technologien mit einem besonderen Fokus auf Deutschland und Österreich. Dabei geht es sowohl um die Möglichkeiten, die staatliche Akteure mit ihrem Einsatz verbinden, als auch um die negativen Folgen, die für Asylsuchende beobachtet werden. Kritisiert werden unter anderem fehlerhafte Ergebnisse, Eingriffe in die Privatsphäre und mögliche Auswirkungen auf das Grundrecht auf Asyl. Doch was genau bedeutet es, wenn ein algorithmisches System „fehlerhaft“ funktioniert? Am Beispiel der KI-gestützten Dialekterkennung wird dieser Frage genauer nachgegangen. Ein Blick auf die „ground truth“ solcher Systeme – die Datensätze, mit denen Modelle trainiert werden – zeigt, wie bestimmte Vorstellungen von Sprache, Herkunft und Zugehörigkeit stabilisiert und bestehende Machtverhältnisse fortgeschrieben werden können. Zum Abschluss richtet der Vortrag den Blick auf feministische Kritik algorithmischer Wissensproduktion und fragt, ob und wie sich Formen des „Zweifels“ als feministische Praxis algorithmischer Kritik fruchtbar machen lassen.
Laura Jung ist Postdoktorandin an der Universität Graz. Ihre Forschung befasst sich mit der internationalen Politik der Medizin, Technowissenschaften und Sicherheit, mit einem aktuellen Schwerpunkt auf digitalen und algorithmischen Technologien an den europäischen Außengrenzen und der Rolle von KI in Asylverfahren. Laura hat an der University of Sussex in Internationalen Beziehungen promoviert und zu Souveränität, Biopolitik, race/Rassismus, Psychiatriegeschichte und Trauma publiziert.
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