Dr. Dana Mahr: Nicht bloß Täuschung: Sexualisierte KI-Deepfakes als Form digitaler Gewalt
Sexualisierte Deepfakes werden häufig vor allem als Problem der Täuschung, Desinformation oder des Verlusts von Privatsphäre diskutiert. Ihr zentraler Schaden liegt jedoch nicht allein darin, dass manipulierte Bilder für echt gehalten werden. Bereits ihre nicht einvernehmliche Erzeugung und Verbreitung verletzt Autonomie, Würde und soziale Handlungsfähigkeit der Betroffenen. Der Vortrag versteht sexualisierte Deepfakes deshalb als technikgestützte Fortsetzung bildbasierter sexualisierter Gewalt und geschlechtsspezifischer Machtverhältnisse. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie generative KI, leicht zugängliche Anwendungen, Plattformarchitekturen und gesellschaftliche Normen zusammenwirken und solche Inhalte erleichtern und normalisieren. Abschließend geht es um Prävention und widerständige Praxis: von verantwortlicher Plattformgestaltung und rechtlicher Unterstützung über Bildungsangebote bis hin zu solidarischen Handlungsmöglichkeiten, digitaler Selbstbestimmung und einer feministischen Technikgestaltung, die Einwilligung, Fürsorge und Gerechtigkeit ins Zentrum stellt.
Dana Mahr ist Forscherin am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Ihre Forschung beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen, ethischen und politischen Folgen digitaler Technologien. Schwerpunkte liegen unter anderem auf KI und Geschlechterverhältnissen, sexualisierten Deepfakes, digitaler Gewalt, partizipativer Technikfolgenabschätzung sowie Fragen von Wissenschaft, Öffentlichkeit, Vertrauen und Wissenstransfer.