Dr. Tanja Kubes: Care by Design: Feministische KI zwischen Machtkritik und Gestaltung
Was bleibt unsichtbar, wenn wir über Künstliche Intelligenz sprechen? Öffentliche Debatte und Regulierungsbemühungen konzentrieren sich meist auf Algorithmen, ihre Entscheidungen und mögliche Verzerrungen. Doch KI beginnt nicht beim Code und endet nicht beim Output. Sie entsteht in globalen Arbeitsverhältnissen, verbraucht Energie, Wasser und Rohstoffe und reproduziert Vorstellungen darüber, welches Wissen zählt, wessen Bedürfnisse relevant sind und welche Zukunft als Fortschritt gilt.
Ausgehend von meinem Buch „Code und Care“ stelle ich das Feminist AI Framework (FAIF) vor. Es verschiebt den Blick auf die Bedingungen, unter denen KI entsteht: Wer entwickelt sie, wer leistet die unsichtbare Arbeit, wer profitiert, wer trägt die sozialen und ökologischen Kosten, und welche Weltsichten werden dabei zur Norm? FAIF verbindet machtkritische Soziologie mit mehr-als-menschlicher Ethnologie und nimmt KI, Menschen, Tiere und Ökosysteme als Teile bio-technologischer Beziehungsgefüge in den Blick.
FAIF bleibt dabei nicht bei der Kritik stehen, sondern übersetzt die kritische Perspektive in Gestaltung. Care by Design fragt, welche Beziehungen, Abhängigkeiten und Verletzlichkeiten durch KI entstehen oder verstärkt werden. Wer trägt die Kosten, wer profitiert, und wessen Bedürfnisse bestimmen überhaupt, was als technischer Fortschritt gilt? Feministische KI bedeutet damit nicht weniger Innovation, sondern einen anderen Ausgangspunkt für Innovation: Nicht das technisch Machbare steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Zukünfte wir ermöglichen wollen. Feministische KI fragt deshalb nicht nur, welche Zukunft Technologie möglich macht, sondern für wen diese Zukunft gemacht wird.
Dr. Tanja Kubes ist Expertin für soziotechnische Systeme und forscht, lehrt und berät seit über zehn Jahren zu KI und Robotik. Sie verbindet machtkritische Soziologie mit mehr-als-menchlicher Ethnologie. 2025 stellte sie das breit rezipierte Feminist AI Framework (FAIF) vor. In „Code & Care”(2026) legt sie frei, was sonst verborgen bleibt, die Arbeit hinter jedem Klick, die ökologischen Kosten, die als objektiv geltenden Weltbilder. Sie zeigt: eine andere Zukunft ist möglich.